Anti AKW Reihe: Die Anfänge in Wyhl: „Lieber heute aktiv – als morgen radioaktiv“

Ihren Anfang nahm die Bewegung Anfang der 1970er Jahre in der Region Unterelbe und im sogenannten Dreyeckland – im Oberrheintal in Südbaden und im Elsass. Gleich drei Projekte wollten dort von einer sich international verstehenden Betroffenenbewegung verhindert werden:
Das AKW Fessenheim auf französischer Seite, das AKW Wyhl auf deutscher Seite und ein Chemiewerk in Marckolsheim im französischen Elsass. Durch Proteste, Platzbesetzungen und im Gerichtssaal ist es gleich am Anfang gelungen den Bau des AKW Wyhl zu stoppen und die Errichtung der Chemiefabrik im Elsass zu verhindern. Diese Erfolge gaben der Bewegung einen Auftrieb weit über die Region hinaus.

In dem Film „Lieber heute aktiv – als morgen radioaktiv“ von Nina Gladitz (1976) wurde dieser Prozess dokumentarisch festgehalten. Dieser Film ist aber nicht nur ein herausragendes Zeitdokument, sondern bietet auch gleichzeitig analytische Ansätze, um die Bewegung verstehen zu können.
Der Film ist von der Bewegung für die Bewegung, ihre Protagonist*innen kommen zu Wort. Manches mag aus heutiger Sicht etwas skurril erscheinen, die Sprache und die Wortwahl teils alles andere als PC. Aber deutlich wird, dass die Akteur*innen von Anfang an in ihrem politischen Kampf auch gewaltige Emanzipationsschritte vollzogen haben.
Erläutern wird uns diese Zeit auch einer der Mitbegründer des damals illegalen Senders „Radio Verte Fessenheim“ später das älteste freie Radio „Radio Dreyeckland“, Karl Heinz Grieger.
Radio Dreyeckland war ein wichtiges Medium, das den Widerstandsaktionen eine eigene Öffentlichkeit verschaffte und mithalf, das Anliegen der Bewegung zu verbreiten.