Anti AKW Reihe: Militanz in Wackersdorf: „Spaltprozesse“

28.06.2016 Militanz in Wackersdorf: „Spaltprozesse“ (1987)
20 Uhr im TTZ (Softwarecenter 3), im Anschluss an den Film Gespräch mit einem Zeitzeugen

Militante Auseinandersetzungen in Wackersdorf: „Spaltprozesse“ (1987)

Zehn Jahre später wurde im oberpfälzischen Wackersdorf gegen den Bau der zentralen Wiederaufbereitungsanlage (WAA) für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren in Deutschland gekämpft. Es kam auch zu militantem Widerstand, wobei sich die Polizei über die wachsende Solidarisierung der Einheimischen, deren Rechte immer weiter eingeschränkt wurden, mit den auswärtigen Atomkraftgegner*innen beklagte.
Die Worte „Besetzung“ und „Bürgerkrieg“ wurden zur Schilderung der Situation in der Presse populär, zumal das Ende der 1970er Jahre erschienene Buch „Der Atomstaat“ von Robert Jungk eine solche Entwicklung prognostiziert hatte. Von 1985 bis 1989 gehörten Demonstrationsverbote, Hausdurchsuchungen, Umstellung von Dörfern, Verhaftungen sowie der Einsatz großer Polizeiverbände aus dem gesamten Bundesgebiet sowie des Bundesgrenzschutzes zur politischen Szenerie in der Region.
Ende 1986 wurde das letzte umkämpfte AKW (Brokdorf) in Betrieb genommen und die bundesdeutche Anti-AKW-Bewegung fand in der sogenannten Entsorgungsfrage des Atommülls ihren entscheidenden Kristallisationspunkt. Neben den begründeten Sicherheitsrisiken beim Umgang mit dem Atomabfall thematisierte die Bewegung beim Bau der WAA auch die Möglichkeit der Erzeugung von spaltbarem Material für Atomwaffen.

Der mehrfach ausgezeichnete Film „Spaltprozesse“ von Claus Strigel und Betrram Verhaag von 1987 zeigt sehr anschaulich die mit dem Bau der WAA verknüpften Entwicklungen bei den engagierten Teilen der ansässigen Bevölkerung. Die zunehmende Radikalisierung des Widerstands im Laufe der von der Staatsseite eskalierten Auseinandersetzung und der Festigung der Solidarität aller Beteiligten, seien sie aus der Oberpfalz oder aus den restlichen Gebieten der Republik.
Als Zeitzeuge begleitet uns ein langjähriges Mitglied der Marburger Anti-AKW-Initiative BigAM.